Start Review THE FLYING EYES – Burning Of The Season

THE FLYING EYES – Burning Of The Season

TEILEN

Ah, mal wieder was Frisches! In der weitgehend ausge-lutschten Indiestoner-Psychedelik-Rocktube findet sich hier ein äusserst schmackhaftes Häppchen. The Flying Eyes setzen sich ab mit grossen Songs und dem Mut auch mal zwei, drei Gänge runter zu schalten.

Manchmal ist es einfach zuviel. Es deucht einen in letzter Zeit, dass Jungs mit Gitarren ihre Kreativität daraufhin beschränken, um die Wette zu drücken, zu stampfen und zu dröhnen. Mit Lautstärke auffallen und sich dabei letztendlich nur Genrepflichten unterordnen, scheint der momentane Konsens zu sein. Heisst also, dass sich zu viele Bands im wüsten Gitarrenrock nur noch marginal unterscheiden. Nicht aber The Flying Eyes aus Baltimore! Beim Opener „Sing Praise“ fühlt man sich zwar noch in vertrauten Gefilden. Da zwirbeln Fuzzgitarren klassische Stonerrock Riffs über deren siamesischen Zwilling, den altbekannten Shufflegroove. Spätestens aber beim dritten Stück „Drain“ übernehmen Coolness und kontrollierte Verspieltheit.

Die Arrangements erheben sich über stumpfes Töfflibuben-Gerocke und laden zu Klangreisen durch monolithische Landschaften. Die Gitarren scheuen sich nicht, hie und da ein geschmackvolles Blueslick einzustreuen oder sich bei Pink Floyd 1971 zu bedienen. Der unaufdringliche und gerade deswegen stimmungsvolle und angenehm soulige Gesang nimmt uns dabei an der Hand. Bevor hier aber der Verdacht aufkommt, dass wir es mit Burning Of The Season mit gefällig halbherziger Rockmusik zu tun haben: Himmel, nein! The Flying Eyes verstehen es einfach, mit Reduktion und Dynamik umzugehen. Die Intensität dieses Albums kommt aus seinem Selbstbewusstsein. Keine Gimmicks, keine Effekthascherei, kein aufgesetztes Krasstum. Die Qualität dieser Band und ihrer neusten Platte zeigt sich in ihrem Spiel. Die acht Songs sind offensichtlich live eingespielt. Das kommt echt, warm, lebendig und intensiv in bester analoger Manier. Wer noch zweifelt, höre sich „Oh Sister“ an. So klingen echte Bands.

Epischer Rock’n’Roll: 8/10

Marc Flury