Start Review JACK WHITE – Boarding House Reach

JACK WHITE – Boarding House Reach

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Müde sei er, ausgelaugt, ausgebrannt und ähnliches ist in den Gazetten als Reaktion auf „Boarding House Reach“ zu vernehmen. Mit Verlaub, aber hier kommt ein entschiedener Widerspruch!

Laut Pressetext sei die neue Platte in Abgeschiedenheit und mit minimalem Equipment entstanden. Vermutlich ist damit die Kompositionsphase gemeint (wobei sicherlich einige Ideen den Weg in die Endproduktion fanden), denn auf dem Album ist eine illustre Musiker/innenschar vertreten. Letzteres fällt aber gar nicht wirklich auf, die Sache rumpelt meistens so, als ob sich ein multiinstrumentaler Kauzkopf solo austobte. Und ist nicht Jack White gerade das?

Stilistisch sind seine funkigen Blueswurzeln omnipräsent aber Garagengitarren sind nebst paar fragmentarischen Riffs und Soli selten zu hören, Jack White hat offenbar einen alten 80er Synthi auf dem Estrich und eine auffallend spielerische Freude an dessen Knöpfen und Schiebern gefunden. Das Album wirkt insgesamt eher zurückhaltend aber zwischendurch klingt das Ganze, wie wenn die Gorillaz mit Prince, Betty Davis und den Beastie Boys eine Hausparty schmeissen und bei „Over and Over and Over“ und „Corporation“ tanzt auch der Ficus in der Ecke mit.

Vielleicht vermissen einige den direkten Schweinerock der White Stripes und von Dead Weather, aber Jack White hat zuviel drauf, um sich Jahrzehnte lang zu wiederholen. „Broading House Reach“ lebt von Seele und Witz, von ernsthafter Introspektion und ausgelassenem Nonsens. Dass das allerlieblichste Schlaflied zum Albumschluss mit leichtem Radiohead Einschlag „Humoresque“ betitelt wurde, unterstreicht eben dies.

Funky Mellow Boogietime 8/10

Marc Flury