Start Review A PERFECT CIRCLE – Eat The Elephant

A PERFECT CIRCLE – Eat The Elephant

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Scheinbar wurde es selbst Sänger Maynard James Keenan zu viel, dass sich Tool für ihr neues Album seit geschlagenen zwölf Jahren Zeit lassen. Also hat er sich wieder mit Billy Howerdel zusammengetan und A Perfect Circle reaktiviert. Interessanterweise wird nun aber nicht befreit und unbekümmert losgerockt, auch „Eat The Elephant“ wird mit höchster Sorgfalt für Detail serviert.

Drei Alben haben A Perfect Circle in den Nullerjahren produziert. Zuerst als Keenans Seitenprojekt wahrgenommen, wurde spätestens beim Zweitling „Thirteenth Step“ klar, dass hier eine ernsthafte Vollzeitjobkapelle geleitet von ex-Tool-Gitarrentechniker Billy Howerdel unterwegs ist. Auf Tools „Lateralus“ Tour liess sich Keenan von Howerdels musikalischen Qualitäten überzeugen und so starteten sie A Perfect Circle mit Platten und Touren und Sahne und legten die Band 2004 wieder auf Eis.

Doch im Gegensatz zu einer neuen Tool haben die Fans wohl nicht ganz so sehnlichst auf eine neue APC Platte gewartet. Aber gut, hier ist sie nun und sie ist nicht gerade überwältigend. Zumindest nicht unmittelbar, denn die Band lässt die Sache von Beginn weg ruhig angehen. Nun kennt man das schon von den ersten beiden Alben, die mit überraschenden emotionalen Wendungen brillierten. Hier aber führen beinahe konstant Ruhe und Vorsicht durch die Songs, nur hie und da schiebt sich ein leicht epischer Refrain oder Hook dazwischen. Das Paradoxon „leicht episch“ trifft die Gesamtstimmung von „Eat The Elephant“ recht gut. Das Album wankt zwischen angenehmer Entschleunigung und unaufdringlichem Mäandern und braucht wohl mehrmaliges Hören bis die „wann-rockt-es-hier-endlich?“-Erwartung beiseite gelegt ist und sich der Hörgenuss einstellt.

Von Atmosphäre und Sounddesign her gibt es natürlich nichts zu meckern, denn durchwegs penibelst arrangierend und platzierend, zeigen sich hier Meister am Werk. „Eat The Elephant“ lässt sich als ein Vorzeigestudioalbum im Sinne einer Pink Floydschen, perfektionierten Tüftelei auflegen, dabei gehen ihm Energie und Spektakel zu Unterhaltungszwecken aber (leider?) eher ab. Keenan wurde in den letzten Jahren zum passionierten Winzer und äusserste kürzlich selbst mit den neubelebten A Perfect Circle mache er Pink Floyd und nicht Slayer-Wein. Ja, dieses Album ist definitiv eine schwere Flasche Wein und kein Humpen Bier zum grölend Runterschwappen. Nur in „The Doomed“ mit seiner befremdlichen Pagan Rock Hookline und in „Delicious“ wird es stellenweise fast ein bisschen laut.

Auch wenn es nicht eine völlige Abkehr von vergangenen Taten ist: „Orestes“, „Renholder“ oder „A Stranger“ von ihren ersten beiden Alben würden sich hier perfekt einfügen, aber schwere Kaliber wie  „Thinking Of You“, „The Outsider“ oder „The Package“ vermisst man halt doch. Die Riffs waren auf den Vorgängern knackiger, die Melodien weniger vorhersehbar. Was bleibt, sind ein Album von gesetzteren mit ihren Leben nicht völlig unzufriedenen Herren und die Vorfreude auf das bald erscheinende neue Failure Album, eine weitere grossartige Band aus dem Tool/A Perfect Circle Dunstkreis, welche Letztere auf „Thirteenth Step“ mit „The Nurse Who Loved Me“ gecovert haben.

Artrockpop mit Einsicht und Schmalz 7/10

Marc Flury