Start Review PUTS MARIE – Catching Bad Temper

PUTS MARIE – Catching Bad Temper

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Puts Marie: der ewige Rohdiamant der Schweizer Musikszene. Und das ist gut so, denn geschliffen soll hier höchstens der messerscharfe Flow dieser Bieler Band rüberkommen.

Biel, du faszinierende Perle zwischen deutsch- und französischsprachiger Schweiz: In der hochspannenden, gegensätzlichen Stadt brodelt seit Jahrzehnten eine Musikszene, die ihresgleichen sucht. Traditionellen Vibes treffen dort auf moderne Einflüsse –  einerseits wohlig-warm, andererseits mystisch-kühl. An der Spitze dieser Eindrücke steht hierbei seit ein paar Jahren ganz klar eine Band: Puts Marie. Das Quartett fasziniert. Auf der Bühne erscheinen die Künstlernamen tragenden Musiker wie Protagonisten eines  schrägen Films, doch kaum runter von ihr, sind sie im persönlichen Austausch nahbar-nett und echt. Nach «Masoch I» im Jahre 2013 und dem 2015 erschienen Zweitling «Masoch II» legte der Vierer eine dreijährige Schaffenspause ein, doch sorgten die Mitglieder mit Projekten wie Mister Milano, Nick Porsche And The Map oder Troika Trash weiter für Furore. In all diesen Gruppen zeigte sich eine klare Ästhetik, die mit «Catching Bad Temper» – dem dritten Puts-Marie-Album – einen neuen Höhepunkt erreicht.

Groovige Beats, analoge Produktionen, alternativ-denkende Geister fern der grossen Popmusik- und Hochglanz-Industrie: Das neue Werk der Truppe mit dem Wortspiel im Bandnamen beinhaltet all dies und begeistert durch Musikalität und Freiheitswillen: Einfach machen, was man will, lautet die Devise. Aber nicht kopflos; dafür haben Puts Marie ihren Sound schon viel zu gut entwickelt und gecheckt. Hier mischt sich Improvisationspotenzial mit Kompositionen, die hervorragend die charakteristischen Puts-Marie-Drunken-Vocals umgarnen. Rock trifft Rap, der Blues macht’s mit altem Synthie-Pop, dazu kommen Free-Jazz-anmutende Intros und Dub-Einflüsse. Durch die vielfältigen Genre-Mixes fällt auch nur bedingt auf, dass die Tempi auf dem Album nur marginal divergieren. Hier wollen vier Giele Groovemusik machen, und das ist gut so – man erinnere sich an den Gig an der Bad Bonn Kilbi, wo Puts Marie das Publikum förmlich zum Ausrasten gebracht haben. Lag’s an den Gegensätzen? Oder dem unnahbar-charmanten Bieler Rockstar-Spirit? «Catching Bad Temper» wird die Antwort geben.

10/10

Stoph Ruckli

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