Start Review MONOTALES – Kiss The Money And Run

MONOTALES – Kiss The Money And Run

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Neues Album, neuer Lebensabschnitt, neues Glück? Die Formel mag sich bewähren, liefern die Monotales mit «Kiss the Money and Run» doch glatt ein Meisterwerk ab.

Mauro Guarise ist nun 40 Jahre alt. Das merkt er beim Joggen, wo er von jüngeren  Joggerinnen mühelos überholt wird. Das zeigt sich aber auch musikalisch, wo der Americana-Fan von einem ganz besonderen Bonus profitiert, den junge Semester noch nicht besitzen: Erfahrung.

In 40 Jahren kann viel Musikgeschmack verpackt sein. Pickt man sich aus diesem einen Stil-Favoriten raus und konzentriert sich auf ihn, stellt jener Fokus ein ganz besonderes Extrakt her: edler als edel sozusagen. «Kiss the Money and Run» ist genau ein solches Destillat, ja vielleicht sogar die bisherige Americana-Quintessenz von Guarises Band, den Monotales. Aufgenommen wurde die bei Marco Jencarelli in den Luzerner Soundfarm Studios. Aus Luzern stammt mit Ausnahme von Exil-Zürcher Guarise auch der Rest der Bandmitglieder, welche in ihrem Fach zu den Besten der Besten gehören. Nicht nur recorded, sondern gerade auch live brillieren Urs Müller (g), Kuno Studer (g), Andi Schnellmann (b) und Arno Troxler, wodurch sich ihr Frontmann nach Lust und Laune austoben kann; energetische Auftritte garantiert!

Nie aufdringlich, aber doch mit jeweiligen Erkennungsmerkmalen gelingen so die zehn Songs auf «Kiss the Money and Run» ausgezeichnet. Ein Highlight herauszupicken ist schwierig, weil jedes Stück gefällt. Das poppige «Summer’s Almost Gone» wäre der perfekte Soundtrack einer Sommerliebschaft dank treibendem Groove und herrlichen Gitarrensoli. «Violet New  Moon» hat einen gewissen Tedeschi-Trucks-Band-Touch, ohne die Eigenständigkeit zu verlieren. Auf «The Night Roy Orbison Died» werden  wiederum die Lyrics von ungemein spannenden, geheimnisvollen Instrumentalspuren untermalt. Ähnlich der Song «I Put Your Record On», welcher in seinen letzten Sekunden klingt, als ob  Bill Frisell neue Effektgeräte gekauft hat und diese gewohnt hochqualitativ ausprobieren würde. Und dann gibt es «I Spy A Bee»: Der Energietrack von «Kiss the Money and Run». Ein Viertelstampfer, wie eine Lokomotive, die durch die Prärie rattert – was für eine Macht!

Vielleicht möchte Mauro Guarise mit seinen 40 Jahren plötzlich alles hinter sich lassen, nur das Wichtigste einpacken, davonrennen und die Welt erkunden. Ob das jetzt Tatsache ist oder eine Metapher, sei dahingestellt: Selten wurden die Leidenschaft und Sehnsucht, welche jenes Bild vermittelt, so gut auf einer Schweizer Platte verpackt.

10/10

Stoph Ruckli