Start Review Kaleidoskopische Orgie – THE FLAMING LIPS

Kaleidoskopische Orgie – THE FLAMING LIPS

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Konfetti, Kostüme, Psychedelik in Cinemascope, wirrer Krach und Pophits von jenseits Rigel und Beteigeuze? Das kann nur eines heissen: The Flaming Lips sind da!

Ende der 1980er Jahre waren sie die verschrobenen Indie Darlings, ab den 1990ern mauserten sie sich zu den Klassenbesten im Psychedelischen Rock. Verwurzelt in der Lo-Fi Ästhetik, dachten sie weit über jede Indiedogmen raus und machten nie einen Hehl aus ihrer Verehrung für die in Indiekreisen verschmähten klassischen Progbands wie Genesis und Pink Floyd. Als unvereinbar Gehaltenes zu verwursteln bringt nicht selten grosse Kunst hervor.

Nun ihr neues Album „Oczy Mlody“: Titelgebend ist laut Bandkopf Wayne Coyne die Glückspartydroge der Zukunft, unter welcher wir alle auf Einhörner rumvögeln. Nicht die schlimmste der letzten Aussichten. Als Hauptdarsteller im Soundtrack dazu hören wir cheesy 80er Drumcomputer und die wohl fettesten Synthesizerbässe, die je auf einer Platte zu hören waren. Höre „Nigdy Nie“ oder „There Should Be Unicorn“. Nur selten schrabbelt sich eine Gitarre durch. Darüber legt Wayne Conye seinen sphärisch schwärmerischen Gesang zwischen kindlicher Naivität und herzlichen Dringlichkeit. Ein Zampano der Melodien war er schon immer, und die kommen hier einmal mehr grandios geballt.

Wie all ihre Vorgänger ist die neue The Flaming Lips ein seltsames Monstrum geboren aus souveränem Gagaismus. Im ersten Anschein ein zugängliches Popalbum, flirren und tüüten und albern da plötzlich ihre typischen Klangkapriolen rum. Und immer wieder diese meisterhaften Melodien und abenteuerlichen Songstrukturen. Hätte es der gute Syd Barrett ins 2017 geschafft, würde er hier garantiert sowas von wohlgemut mitkrümeln. Am 31. Januar kommen sie ins Volkshaus zu Zürich und da erwartet uns ein Fest für alle bewussten und unbekannten Sinne. Eine kaleidoskopische Orgie in Lärm und Licht, verpackt in grossartigste Songs.

Musik für Transzendente Massagen im Spacecamp 10/10

LIVE: 31.1.17 Volkshaus Zürich Konzertinfos und Tickets

Marc Flury

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