Start Review Faust in die Fresse – THE XX

Faust in die Fresse – THE XX

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Ein Kaltstart als Auftakt zur dritten Platte: Auf „I See You“ deuten The xx an, dass sie stilistisch mehr können, als den kargen, todtraurigen Kuschelsound, für den wir sie doch so mögen. Zum Glück belassen sie es bei der Andeutung.

50 Monate Warten, und dann Faust in die Fresse: Eine kräftige Bläserfanfare brätscht uns ins Gesicht, die überläuft in zügigen Dancebeat. „Dangerous“ eröffnet den Nachfolger zu „Coexist“ (2012) in verstörender Manier – es scheint, als überrumple der ungewohnt offensive Sound sogar Romy Madley und Oliver Sim. Deren Stimmen wirken inmitten der tanzbaren Opulenz so unbeholfen wie Ü30er, die sich an eine Maturaparty verirrt haben.

In der Folge drosselt das mixende Mastermind Jamie „XX“ Smith sein Bollwerk und das britische Trio schippert in bewährt-beliebte Lo-Fi-Fahrwasser. Wobei es sich da durchaus vorwärts bewegt hat. Gitarren- und Bassgefrickel machen oft dem Sphärischen Platz. Und wenn Smith seine Arrangements subtil aufzieht, gelingen zum Sterben traurig wunderbare Lieder wie „Lips“ oder „Replica“, wo sich das wechselsingende Duo Madley/Sim dem Melancho-Flow hingibt und zu einer Stafette der Rührseligkeit aufläuft.

Okay, „Performance“ gerät etwas gar lahm, und „On Hold“, der zweite etwas zurückhaltendere Ausbruch auf den Dancfloor, trägt eher weniger zum stimmigen Gesamtwerk bei. Vielleicht am repräsentativsten für das Thema der Platte – Freundschaft – steht dafür „Brave For You“: Für die angesprochene Person, haucht Madley, tue sie „the things I’m afraid to do.“ Wie eben zum Beispiel: Discomusik…

6/10

LIVE: 18.2., St. Jakobshalle Basel

Marco Rüegg

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