Start Review Keine Wohlstands-Bequemlichkeit – DEPECHE MODE

Keine Wohlstands-Bequemlichkeit – DEPECHE MODE

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Anton Corbijn

Auge um Auge, Hype um Hype. An der Front der Clubbühnen, werden die Fusssoldaten des Synthie-Sounds praktisch im Wochenrhythmus verbraten. Derweil es sich die englischen Electropop-Generäle in der Teppichetage bequem machen. Zu bequem?

Stadiontournee statt Frühpension: Wenn es gilt, Arenen wie den Zürcher Letzigrund zu füllen, muss der Nachwuchs einpacken – vor den wieder- oder weiterhin vereinten Klassikern, diesen Sommer gastieren Robbie Williams, Guns’n’Roses und: Depeche Mode! Mit Konzerten sichern sie ihre Rente. Und für Konzerte braucht es einen Anlass, zum Beispiel ein frisches Album.

Skepsis schien im Fall der Letzteren angebracht, angesichts der Vorzeichen: Mr. Gahan jammert im Clip „Where’s the Revolution“ über die Lethargie des Wohlstands, beschwört den Aufstand von unten und erinnert dabei (tschuldigung, Dave) nicht nur optisch an U2-Bono. Solche Spitzfindigkeiten stampft „Spirit“ jedoch mit maschinell unterkühltem Beat ziemlich bald in Grund und Boden.

Die Soft-Goth-Halbgötter flirten mit der Apokalypse, frönen der epischen Untergangsmusik, welche ihre Jünger erwarten. Sie zeichnen ein Weltbild in Grautönen, in welchem der Optimismus ein Schattendasein fristet. Natürlich, zwischen Galgen und Gewehren, Abgründen und Trostlosigkeit kommt auch die Liebe zur Sprache. Ohne dass jedoch der Tonfall ändert. „I will surround you with my love“, presst Dave Gahan einmal heraus. Es klingt wie eine Drohung.

Also, routiniert saubere Büez, frei von Überraschungen, fern von Wohlstands-Bequemlichkeit. Wer die 13 bisherigen DM-Platten hortet, kann „Spirit“ getrost hinter „Delta Machine“ einordnen. Und im Regal schon mal Platz für Nummer 15 frei lassen.

6/10

LIVE: 18.6. im Letzigrund Zürich

Marco Rüegg

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