Start Review Vielfalterfreak – RIO

Vielfalterfreak – RIO

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Rio, das ist der aktuell heisseste Red Brick Chapel-Label-Trend. Rio, das ist ein Multiinstrumentalist, wie man ihn selten findet. Rio, das ist Mario Hänni – und Mario Hänni ist verdammt gut.

Die Schweiz ist, obwohl sie stets der Neutralität verpflichtet war, ein Land der Extreme. Und doch ist sie es eben genau nicht. Das kommt ganz auf die Betrachterschaft drauf an. Sich selbst abfeiern oder am besten alles überkritisch runterhaten? Leise Musik machen oder laute? Zürich oder Aargau? Am besten beides, sagte sich Rio. In seinem Blickpunkt steht die Brüderlichkeit. Er vereint R’n’B und Radiohead, Dylan und Dub, Indie und Innovation. Kein Wunder: Mario Hänni, wie der Musiker richtig heisst, ist ein Vielfalterfreak. Er taucht bei Electro-Souler Pablo Nouvelle, Folk-Revoluzzer The Fridge sowie den Alternative-Hip-Hoppern Hanreti hinter den Töpfen auf und groovt wie kaum ein Schlagzeuger sonst. Er singt und spielt Saiteninstrumente bei Mnevis und Beatie Bossy (die weltweit beste Beastie-Boys-Coverband). Oder er performt Neo-Free-Improvisation beim Trio Heinz Herbert. Allesamt grandiose Formationen. Allesamt zu finden bei Rio.

Und doch klingt Rio ganz eigen. Radiohead wäre ein Vergleich, vielleicht Dylan, Bon Iver,  oder schlicht Indie? Independet, unabhängig ist nicht automatisch gleich innovativ. Wenn Hänni kommt, kommt aber die Innovation. Die Musik ist unglaublich schön, sie ist nachdenklich, sehnsüchtig, sie wird getragen von Rios einzigartiger Stimme. Mit «The Knife» befindet sich ein veritabler Tanz-Hit auf der Debütplatte, «Free Willy» irritiert und fasziniert durch seinen abruptem Abbruch inmitten einer unglaublich schönen  Atmosphäre und «Silver Morning» lässt sogar jazzige Anleihen zum (Aus)Zuge kommen (Hänni ist ausgebildeter Jazzschlagzeuger). Nach 23 Minuten ist die unglaublich vielfältige, stringente Rio-Reise jedoch schon wieder vorbei.

Doch keine Sorge: Dieser Mann muss ohnehin unbedingt live erlebt werden. Wie löst der Schweizer Multiinstrumentalist hierbei das Bandproblem? Ein jeder und eine jede möchte doch mitspielen. Ein Kollektiv? Eine Red Brick Chapel-Superband? Für den Anfang wählt Mario Hänni den idealen Mitmusiker, ebenso talentiert wie trainiert: Bruder David Hänni bildet den Duopartner. Den perfekten Duopartner! Was groovt besser als zwei Multiinstrumentalisten mit Familienband-Erfahrung? Mehr mitten drin geht gar nicht. Brotherlove!

10/10

Stoph Ruckli

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