Start Review Ganz schön spassig – KASABIAN

Ganz schön spassig – KASABIAN

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„The Party Never Ends“, singen Kasabian und drehen auf ihrem sechsten Album „For Crying Out Loud“ munter weiter an der Brit-Rock-Orgel. Das Rad erfinden die Lads aus Leicester dabei nicht, vermeiden aber auch gekonnt den musikalischen Totalschaden.

Nicht erst seit Ryan Goslings wortkarger Rolle in „Drive“ wissen wir, eine der wichtigsten Eigenschaften eines Fluchtwagenfahrers ist: Zuverlässigkeit. Wenn die Gauner mit vollgestopften Geldsäcken aus der Bank rennen, muss das Auto auf Platz stehen und die Person hinter dem Steuer im richtigen Moment aufs Gaspedal drücken. Und das haben Kasabian in den letzten 13 Jahren tatsächlich munter getan, jene Band also, die sich nach Linda Kasabian benannt hat – dem Mitglied von Charles Mansons Family, das während den Morden in Hollywood das Fluchtauto fuhr.

Anders als kontemporäre Kollegen wie die Kaiser Chiefs oder The Fratellis lieferte die Band in ihrer bisherigen Karriere stets ausgezeichnet bis zumindest grundsolide ab und verzeichnete mit keinem ihrer Alben eine komplette Bauchlandung. Daran wird auch „For Crying Out Loud“ nichts ändern. Ihr schon immer stets auch etwas verstohlen auf Electronica schielender Brit Rock ist stellenweise noch poppiger geworden, Songs wie „Wasted“ könnten auch als Hintergrundmusik in den Tally-Weijl-Fillialen der Welt dudeln – womöglich in einem Remix von Alle Farben oder Felix Jaehn. Doch immer, wenn man wie in den ersten über-funky Sekunden von „Are You Looking for Action?“ befürchten muss, nimmt der Song den passenden Rank und umkurvt geschickt eine kreative Karambolage.

Und spätestens wenn Sänger Tom Meighan zum Stone-Roses-Gedenk-Beat und von sakraler Orgel begleitet irgendwas von einem Müllsack-Bigfoot faselt, denkt man sich: herrlich doof, das alles. Und deshalb auch ganz schön spassig.

8/10

LIVE: 05.11.2014 in der Halle 622 Zürich präsentiert von Piratenradio.ch

Michael Rechsteiner

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