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Funky tanzbar und verquer sperrig zugleich: QUEENS OF THE STONE AGE – Villains

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Träumen Roboter von elektrischen Gitarren? Queens Of The Stone Age sind zurück mit einem faszinierend wirren Album. Die Selbstreflexion von „..Like Clockwork“ ist vorbei, „Villains“ setzt die Band auf Zukunftskurs.

Mit der Personalliste aus knapp 20 Jahren Queens Of The Stone Age lässt sich der Mond einpacken. Nun hat Josh Homme scheinbar seine Traumbesetzung gefunden. Abgesehen von einer Handvoll GastbackgroundsängerInnen wurde „Villains“ von derselben Kerntruppe eingespielt wie „…Like Clockwork“. Nur klingt sie völlig anders. Beides wohl weil vor allem Dean Fertita und Troy Van Leeuwen begnadete Multiinstrumentalisten sind und wie selbstverständlich käsige Synthesizer Sounds über, durch und zwischen die zackigen Gitarrenriffs weben. Nebst der bekannt eigenwilligen, beinahe trashigen Queens Of The Stone Age Gitarrenverzerrung durchziehen die Songs wunderbar unpassende 80er Jahre Popsynthis.

Gerade „Un-Reborn Again“ wird von einem Moogriff in bester Gary Numan Manier getragen. Im Intro zu „Feet Don’t Fail Me“ schleicht sich die „Sunday“ Hookline von Iggy Pops letztjährigem „Post Pop Depression“ Album in einem Klangkleid wie Kraftwerks „Computerwelt“ heran, bevor sich der Song in einen unwiderstehlichen Funkgroove entlädt. Überhaupt klingt Joshs Flair für repetitive elektronische Musik mehr als je durch. Er nannte ihren Stil schon beim ersten Album Robotrock. Der ging seither hie und da verloren, doch auf „Villains“ ist er klar im Vordergrund. Funky tanzbar und verquer sperrig zugleich ist dieses Album. „Hideaway“, „Fortress“ und „Villains Of Circumstance“ mögen auf „…Like Clockwork“ nicht ganz aus dem Rahmen gefallen sein, doch die restlichen Titel sind erfrischend schwere Kost.

Intros, Strophen und Refrains wirken abenteuerlich zusammengewürfelt.

Anti-Songwriting sozusagen aus dem „How not to…“ youtube Lehrvideo. Dynamisch und tonal werden wildeste Haken geschlagen und die noch ständig aufgesplittert mit kleinen, schalkigen Einsprengseln aus der Hüfte. Nur der unablässlich sexy Groove hält alles zusammen. Es fragt sich, ob „Villains“ als Debutalbum einer unbekannten Band dieselbe Aufmerksamkeit erhielte. Sie ist schwer zu fassen und wäre sicherlich noch schwerer zu promoten. Die Queens befinden sich mittlerweile in der luxuriösen Position, sich um nichts derartiges kümmern zu müssen, schon gar nicht um Fanservice. Die Songs für die Tauben sind beinahe verklungen, nur „The Evil Has Landed“ blickt gegen Ende kurz zurück. Doch sollten wir froh sein, dass uns eine der wichtigsten weil innovativsten aktuellen Bands nach wie vor fordert und überrascht.

Robotrock 10/10

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